„Wasser und Eisen“

Arnd Fiedler:

Liebe Kunstfreundinnen und -freunde,
es ist mir ein großes Vergnügen, Sie in kurzer Form in die Arbeit meines langjährigen Freundes Kurt Kornmann einführen zu dürfen.

„Wasser und Eisen“
So der Titel der Ausstellung – und Sie sehen, wie Kornmann Naturereignis und Menschenprodukt, Ursachen und Wirkung, Einfluss und Zerfall miteinander verbindet und zu einer als Ergebnis künstlerischen Schaffens so gewordenen Einheit, dem Kunstwerk, verschmilzt. Aus „Öl auf Leinwand“ wird „Eisenoxid auf Nessel“.

Die hier ausgestellten Bilder, Plastiken und Installationen von Kurt Kornmann dokumentieren viele kleine aufeinander folgende Ereignisse, halten Beeinflussung von Feuchtigkeit, Nässe, Regentropfen, Tau auf ein ausgeliefertes angreifbares Material fest, werden Inbegriff eines „Zeitprotokolls“ und damit stummer Zeitzeuge.

Beispielhaft für den beabsichtigten Protokollcharakter stehen die im Januar 2010 entstandenen „Regenrostbilder 30 Tage“: Vor Beginn des Prozesses werden draußen 30 Blätter unter 30 Eisenscheiben platziert und pünktlich zu Monatsbeginn gemeinsam der Witterung ausgesetzt. Am Ende des Neujahrstages wird das erste Blatt als vollendetes Einzelbild entfernt. In der Folge wird entsprechend täglich ein weiteres „Regenrostbild“ entnommen, nur die letzte Fläche ist während der kompletten Zeitspanne den klimatischen Bedingungen ausgesetzt. 30 Einzelwerke ordnen sich an- bzw. abschließend wiederum zum Projektergebnis, zur Einheit, zum Kunstwerk.

In diesem Zusammenhang möchte ich Kornmann selbst zitieren, der u. a. zur Serie „Zeitschatten“ und auf seinen äußerst penibel geführten Protokollbögen vermerkt: (Es geht um) „Wahrnehmung und Protokollierung ästhetischer Zeichen innerhalb willkürlich gewählter Zeitabschnitte von begrenzter Dauer. Der ständige Wechsel von Regen- und Trockenperioden, der Einfluss von Sonne, Wind, Hagel und Schnee(- er lebt im Sauerland -), die Niederschlagsmenge und –intensität sind wesentliche Faktoren, die die ästhetischen Qualitäten der Bilder () prägen.“

Der Künstler Kurt Kornmann gibt dem Urheber „Natur“ das benötigte Material an die Seite, ordnet nach klarem Plan den Prozess der Entstehung, komponiert das Zufällige durch Grenzsetzungen in Fläche bzw. Raum und durch zeitliche Einschränkungen. Schon durch das in der Idee aufgestellte Thema werden dem Ergebnis überzeugende inhaltliche Bezüge verliehen, die den Betrachter behutsam zu bedenkenswerten Assoziationen führen oder auch verführen.

Langjährige Arbeit mit vertrautem Material weckt im Künstler immer wieder Experimentierlust. Einen neuen Weg beschreitet Kornmann mit den an Decke und Wand befestigten in Schichten angeordneten 24 Eisendraht-Ringen, die sich quasi Stück für Stück auflösen. Der Kreis öffnet sich, die Segmente geraten durch gegenseitige tatsächliche oder visuelle Begegnung und Berührung in Bewegung. Es entsteht eine Einladung zu meditativer Konzentration auf das Nachempfinden und Verfolgen der Ringe selbst, der durch ihr virtuelles Aufeinanderstoßen zufällig entstehenden Linien im Raum, sowie deren Projektionen als Schatten auf Boden- und Wandflächen.

Die seitlich von mir für diese Ausstellung im Stammelbach-Speicher entwickelte Bodeninstallation gibt als „work in progress“ täglich neue Belege für das Gesagte. Innerhalb der nächsten vier Wochen beweisen Wasser, Eisen und Kurt Kornmann ihre kongeniale Kreativität beim Zusammenspiel von absehbarer Zersetzung in zufälliger Form und festgelegter formaler Erscheinung von Zeit. Das wird spannend, will im sich langsam entwickelnden Reifeprozess mehrfach aufgesucht und erforscht werden, soll im Ergebnis Kornmanns einzigartiges Spiel mit der Zeit und den Spuren, die sie hinterlässt, als „Eisenoxid auf Papier“ konservieren.

Schauen Sie also ruhig noch mal vorbei!

Danke für Ihre Aufmerksamkeit